Erich
Böhme: Jagdfieber
Als
Chefredakteur des Spiegels machte Erich Böhme 1987 die
Barschel-Affäre publik – und stürzte den damaligen
schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten. Mit Olivia
Konieczny und Mirko Marquardt sprach er über riskante
Entscheidungen, gekaufte Nachrichten und den
Auerhahn-Effekt.
Erich Böhme, 1930 in Frankfurt am Main geboren, studiert
Nationalökonomie und arbeitet nach dem Diplom als
Nachrichtenredakteur bei den
Vereinigten
Wirtschaftsnachrichten und der
Deutschen
Zeitung, bevor er 1958 als Wirtschaftskorrespondent in
das Bonner Büro des Spiegels wechselt. 1973 folgt er seinem
Freund Günter Gaus als Chefredakteur des Blattes nach und
festigt dessen Ruf als Enthüllungsjournal. Höhepunkt seiner
Karriere ist für Böhme die Aufdeckung der Barschel-Affäre
(Waterkantgate): Der damalige schleswig-holsteinische
Ministerpräsident hat seinen Gegner Björn Engholm im
Wahlkampf bespitzeln lassen und versucht, ihn durch
gezielte Falschinformationen in Misskredit zu bringen. So
sollten Engholm etwa Steuerkriminalität, ein außereheliches
Verhältnis und eine angebliche HIV-Infektion nachgesagt
werden. Nach 17 Jahren an der Spitze des
Spiegels
– und mehreren Auseinandersetzungen mit dessen
Herausgeber Rudolf Augstein – wechselt Böhme 1990 für
vier Jahre als Herausgeber zur
Berliner Zeitung.
Gleichzeitig beginnt er mit der Moderation der Talkshow
Talk im Turm beim Privatsender Sat.1, die er acht
Jahre lang leitet. Später führt Böhme durch die Sendungen
Talk in Berlin und
Der grüne Salon (seit
1997) bei n-tv, bevor er im Jahr 2002 seine Fernsehkarriere
beendet. Erich Böhme ist mit Angelika Unterlauf, der
ehemaligen Nachrichtensprecherin der Aktuellen Kamera des
DDR-Fernsehens, in vierter Ehe verheiratet und lebt in der
Nähe von Berlin.