Peter-Jürgen Boock:
Blutige Hände
Peter-Jürgen Boock ist ehemaliger Terrorist und
umstrittener Chronist des Deutschen Herbstes. Mit Anne
Kunze und Marcus Schuster sprach er über die
Medienstrategie der raf, seine Schuld und seine
Lügen.
Peter-Jürgen Boock wird 1951 im nordfriesischen Garding
geboren. Mit 16 verlässt er sein Elternhaus und wird bald
darauf wegen Drogenbesitz in einem Erziehungsheim in Hessen
untergebracht. Mitte der siebziger Jahre, als Andreas
Baader und Gudrun Ensslin bereits in Stammheim einsitzen,
geht er in den Untergrund, um deren Befreiung zu planen.
Zusammen mit Brigitte Mohnhaupt, mit der er zeitweise
liiert ist, führt Boock die zweite Generation der RAF an.
Er ist einer der wenigen in der Terror-Organisation, die
nicht aus bürgerlichem Milieu stammen. 1977 fährt Boock das
Fluchtauto bei der Ermordung des Dresdner-Bank-Chefs Jürgen
Ponto und ist maßgeblich an der Entführung des
Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer beteiligt.
Auch für die Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut ist
er mitverantwortlich. Er stimmt der Ermordung Schleyers zu,
nachdem das Flugzeug in Mogadischu befreit wird und sich
Jan-Carl Raspe, Gudrun Ensslin und Andreas Baader in
Stammheim umbringen. 1981 wird Boock in Hamburg verhaftet
und 1984 zu dreimal lebenslänglich plus 15 Jahre Haft
verurteilt. 1986 wird das Urteil auf einfach lebenslänglich
geändert. 1998 kommt Peter-Jürgen Boock auf freien Fuß. Er
lebt mit seiner zweiten Ehefrau in Freiburg.