Henryk M. Broder: Der Polemiker
Seit vier
Jahrzehnten kommentiert Henryk M. Broder das
deutsch-jüdische Verhältnis. Provokant, manchmal ungerecht
und immer unterhaltsam. Mit Dominik Betz und Gregor
Haschnik sprach der Publizist über Kritik an Israel,
Antisemitismus und die künstliche Empörung über
vermeintliche Nazi-Skandale.
Henryk Modest Broder, geboren am 20. August 1946 im
polnischen Kattowitz, wandert in den späten fünfziger
Jahren mit seinen Eltern über Wien nach Deutschland aus.
Seine erste Station ist Köln, wo er Volkswirtschaft und
Jura studiert. Anfang der siebziger Jahre wechselt er nach
Hamburg und beginnt dort bei den
St.
Pauli-Nachrichten zu arbeiten, damals eine Mischung
aus linker Agitationsschrift und Sexmagazin. Broder: »Meine
beste Zeit als Journalist«. Später schreibt er für
zahlreiche Zeitschriften und Tageszeitungen, darunter das
Satiremagazin
Pardon und die eingestellte
Wochenzeitung
Die Woche. Broders Kampf gegen
linken Antisemitismus führt 1986 nach dem Erscheinen des
kontroversen Buches Der ewige Antisemit zum Bruch mit
zahlreichen Weggefährten; Broder zieht nach Israel und nach
dem Mauerfall nach Berlin. In jüngster Zeit beschäftigt er
sich mit der Politik des Appeasements. Broders
Markenzeichen ist die ironisierende Polemik, die immer
wieder zu gerichtlichen Auseinandersetzungen führt, die er
nicht scheut. Er ist Reporter beim
Spiegel und
Kolumnist bei der
Weltwoche. Sein neuestes Buch
heißt
Kritik der reinen Toleranz.