Moritz
Hunzinger: Der Mann mit der Fernbedienung
In der
jungen Berliner Republik lief Moritz Hunzingers pr-Geschäft
auf Hochtouren – und dann aus dem Ruder. Mit Dominik
Betz und Marina Leunig sprach der einstige Topkontakter
über Geld, Moral und eine Ehrennadel.
Moritz Hunzinger, geboren am 26. Januar 1959 in Frankfurt
am Main, gründet bereits als 20-Jähriger – ohne
Abitur und Studium – seine PR-Firma, die bald
zahlreiche Politiker und Wirtschaftsführer berät. 1996
übernimmt Hunzinger das Infas Institut für angewandte
Sozialwissenschaft, 1998 bringt er sein Unternehmen an die
Börse und kauft 1999 mit Action Press eine der weltweit
größten Pressebildagenturen. Von 1999 bis 2003 ist
Hunzinger zudem Bundesschatzmeister der
CDU-Sozialausschüsse. 2002 übernimmt die Effecten-Spiegel
AG des Verlegers Bolko Hoffmann die Mehrheit an der Action
Press Holding AG – vorm. Hunzinger Information AG.
Hunzinger verlässt 2004 das von ihm gegründete Unternehmen
im Streit. Seine Ruhegeldansprüche von 220.000 Euro
jährlich setzt er vor Gericht durch. Moritz Hunzinger wird
mit drei Affären in Verbindung gebracht. Der damalige
Verteidigungsminister Rudolf Scharping stürzt unter anderem
über Honorarzahlungen und einen gemeinsamen
Boutiquen-Besuch mit dem PR-Berater. Der Grüne Cem Özdemir
tritt zurück, nachdem er Jahre zuvor ein zinsgünstiges
Darlehen von Hunzingers Prokuristen erhalten hat und
Bonusmeilen der Lufthansa privat nutzte. Wegen uneidlicher
Falschaussage vor dem
Flowtex-Landtagsuntersuchungsausschuss wird Hunzinger zu
einer Geldstrafe verurteilt.