Gabriele Pauli: Im falschen Film

Sie war der bunteste Vogel der csu – und gab den Anstoß zum Sturz Edmund Stoibers. Mit Christopher Beschnitt, Marina Leunig und Jon Mendrala sprach Gabriele Pauli über Intrigen, Selbstüberschätzung und erotische Fotos.

Gabriele Pauli wird 1957 in Schweich an der Mosel geboren. Sie studiert Betriebswirtschaftslehre und Kommunikationswissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und promoviert 1986 über Strategische Öffentlichkeitsarbeit politischer Parteien am Beispiel der CSU. Pauli macht Karriere in Bayerns Staatspartei, gewinnt 1990 überraschend den Wahlkreis Fürth im sozialdemokratisch-protestantisch geprägten Franken und avanciert im Alter von 33 Jahren zur jüngsten Landrätin Deutschlands. Sie bleibt 18 Jahre im Amt und ist in dieser Zeit auch Mitglied des CSU-Präsidiums. Bundesweit bekannt wird »die schöne Landrätin« 2007, als sie öffentlich den Rücktritt Edmund Stoibers fordert. Nachdem der auf innerparteilichen Druck hin tatsächlich seinen Rücktritt ankündigt, formiert sich heftiger Widerstand gegen die »Königsmörderin«. Bei ihrer Kandidatur für den Parteivorsitz erhält sie lediglich 2,5 Prozent der Delegiertenstimmen. Im März 2007 erscheinen im Lifestyle-Magazin Park Avenue Fotos, die Pauli in aufreizenden Posen und mit Latexhandschuhen zeigen. Das Medienecho ist gewaltig und überwiegend negativ. Ähnlich sind die Reaktionen auf Paulis Vorschlag, Ehen auf sieben Jahre zu beschränken. Im November 2007 legt sie alle Ämter nieder, verlässt die CSU und tritt den Freien Wählern bei. Bei der bayerischen Landtagswahl im September 2008 erobert sie einen Platz im Parlament.