Rosa von Praunheim: Der skrupellose Moralist

Rosa von Praunheim hat mit dem Outing homosexueller Prominenter die Gesellschaft empört – und verändert. Mit Gregor Haschnik und Julika Meinert sprach der Regisseur über die Lust am Tabubruch und den höheren Sinn von Skandalen.

Rosa von Praunheim wird 1942 in Riga geboren und wächst bei deutschen Adoptiveltern als Holger Mischwitzky auf. Nach der Mittleren Reife studiert er Kunst, schließt das Studium aber nie ab. Mitte der sechziger Jahre gibt er sich seinen Künstlernamen, der auf den rosafarbenen Winkel, den Homosexuelle als Erkennungszeichen im KZ tragen mussten, und seinen früheren Wohnort Praunheim anspielt. 1967 entsteht sein erster Kurzfilm Von Rosa von Praunheim. 1970 folgen der Kultfilm Die Bettwurst und die aufsehenerregende Produktion Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt. Später engagiert sich von Praunheim im Kampf gegen AIDS. 1991 outet er im Fernsehen homosexuelle Prominente gegen deren Willen und löst damit einen Skandal aus. Von 2000 bis 2006 lehrt er Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg. Bis heute hat der in Berlin lebende Regisseur rund 70 Filme gedreht.