Udo Röbel: Gut und Böse

Udo Röbel steht für die Licht- und Schattenseiten des Boulevards. Er hat sowohl Skandale aufgedeckt – als auch verantwortet. Im Gespräch mit Annika Giese, Hanna Klimpe und Jan Kluczniok erzählt der ehemalige Bild-Chefredakteur, warum beides aus demselben Antrieb passierte.

Udo Röbel, geboren 1950 in Neustadt an der Weinstraße, beginnt seine journalistische Laufbahn 1969 als Volontär bei der Tageszeitung Die Rheinpfalz und arbeitet später als Reporter für die Bild-Zeitung und den Kölner Express. 1989 wird er stellvertretender Chefredakteur der Bild am Sonntag, 1998 Chefredakteur der Bild-Zeitung. Nach seiner Ablösung 2001 arbeitet er ein Jahr lang als Chefredakteur von bild.de, wird dann Herausgeber von fairpress.biz, einem mittlerweile eingestellten Internetportal für Medienopfer. Röbel ist an drei großen Skandalen beteiligt: 1984 deckt er auf, dass die Entlassung von Günter Kießling, dem damaligen stellvertretenden Oberkommandierenden der NATO-Truppen in Europa, ungerechtfertigt ist. Vier Jahre darauf lotst er die Gladbecker Geiselnehmer mit ihren Opfern aus der Kölner Innenstadt. Bei dem Verbrechen kommen drei Menschen ums Leben; die Rolle der Journalisten, die die Polizei behindern, wird später scharf kritisiert. Im Jahr 2000 löst Röbel als Bild-Chefredakteur den Skandal von Sebnitz aus: Die Nachricht, dass Neonazis ein Kind in einem Schwimmbad ertränkt hätten, erweist sich als falsch. Heute schreibt er Kriminalromane und lebt mit Frau und Kind in Hamburg.